Gedanken von Msgr. Josef Fischer zum linken Glasfenster in St. Jakob

Manfred Huber am 02.08.2023

STK 2023 08 02 linkes Fenster Foto: M. Huber

Tex­te aus dem Kir­chen­an­zei­ger August 2023 entnommen

War es am 31. Okto­ber 1948 zur Fest­li­chen Wei­he von Orgel, Fens­ter und Ölberg durch den Bischof von Pas­sau gekom­men. Nun sol­len neben der Orgel auch die 1947/48 erstell­ten neu­en Glas­fens­ter ins Bewusst­sein rücken.

Das lin­ke Fens­ter zeigt uns den Apos­tel Jako­bus, den Patron der Kir­che, als Jün­ger Jesu, der sein Kreuz auf sich genom­men hat und Jesus nach­ge­folgt ist.

Der Weg die­ses Jün­gers kann uns heu­te hel­fen, den eige­nen Glau­bens­weg in den Blick zu neh­men und ihn mit neu­er Hoff­nung und frü­her Lie­be zu gehen.

Bevor wir das Fens­ter in sei­nem Ablauf betrach­ten, scheint ein Nach­den­ken dar­über ange­bracht, was wir beach­ten, wenn wir über­haupt einen Weg gehen. Das eine ist das Ziel. Es muss uns vor Augen ste­hen. Dar­auf rich­ten wir uns aus. Es ist gewis­ser­ma­ßen der Blick in die Fer­ne und nach oben. Es zieht uns an.

Das ande­re ist die Weg­stre­cke. Sie ist eben und gera­de, sie hat auch Keh­ren und Win­dun­gen, Stei­gun­gen und Gefäl­le, Geröll und Schlag­lö­cher. Der Weg zwingt den Blick immer wie­der in die Nähe und nach unten. Er for­dert uns.

STK 2023 08 02 a1 Kerubim Foto: M. Huber

Wir begin­nen unse­re Betrach­tung mit dem Blick auf das Ziel und schau­en des­we­gen nach oben. Dort wird uns gesagt, wo das Gan­ze hin­führt und wie es aus­geht. Oben im Spitz­bo­gen hal­ten zwei Keru­bim die Him­mels­kro­ne für Jako­bus bereit, der als ers­ter der Apos­tel den Tod als Mär­ty­rer erlit­ten hat. Die Keru­bim hat­te Gott nach der Ver­trei­bung von Adam und Eva aus dem Para­dies auf­ge­stellt, damit sie den Weg zum Baum des Lebens bewach­ten (Gen 3,24). Jako­bus ist den rech­ten Weg gegan­gen und nun steht ihm der Him­mel offen. Beden­ken wir, dass die Kir­che auf dem Weg zum Grab den Ver­stor­be­nen auf dem Weg zum Leben sieht und ihn besingt: >Zum Para­dies mögen Engel dich gelei­ten<. Der im Him­mel gekrön­te Mensch: Das ist unser Ziel. Damit ist der Blick in die Fer­ne und nach oben verbunden.

STK 2023 08 02 a2 Verklaert Foto: M. Huber

Auf hohem Niveau geh­t’s von nun an berg­ab. Es folgt die Sze­ne mit der Ver­klä­rung auf dem Berg Tabor. Mit stau­nen­den Augen und ver­zück­ten Gebär­den schaut Jako­bus zusam­men mit Petrus und Johan­nes den ver­klär­ten Jesus, der von den bär­ti­gen Gestal­ten des Moses und Eli­ja umstan­den ist. Jako­bus hat schon in sei­nem irdi­schen Leben Jesus in sei­ner Ver­klä­rung gese­hen und damit einen Blick in den Him­mel getan. Für die Drei ist es ein unfass­ba­res Wider­fahr­nis. Auch in unser Leben sind Momen­te des Glücks und der Selig­keit ein­ge­streut, die in uns eine Sehn­sucht nach dem Leben in Fül­le wecken.

STK 2023 08 02 Abstieg Foto: M. Huber

Die Linie steigt rapi­de ab. Hat Jako­bus Jesus in sei­ner höchs­ten Ver­herr­li­chung gese­hen, so sieht er ihn jetzt — wie­der zusam­men mit Petrus und Joha­nes — in sei­ner tiefs­ten Ernied­ri­gung, in der Todes­angst am Ölberg. Der Engel kommt vom Him­mel und stärkt ihn mit dem Kelch. Die drei aber sind vor lau­ter Betrüb­nis ein­ge­schla­fen. Jesus war ihre gro­ße Hoff­nung gewe­sen. Nun sehen sie ihn am Boden und mit ihm ihre Hoff­nung. Aucz­sol­che Freu­de, dass er aus­ruft: Da haut’s dich um. Ein ande­res Mal wirft ihn die Wucht eines Schick­sals­schlags zu Boden. Die Lan­dung ist bei­de Male kei­ne sanf­te. Die Erde hat uns wie­der. Nun gilt es, sich auf ihr aufzurappeln.

STK 2023 08 02 Bodenberuehrung Foto: M. Huber

Das Leben mit sei­nem Auf­trag führt in die Tie­fe, zur Boden­be­rüh­rung. Der Auf­trag will erfüllt, das Leben will gelebt sein. Jako­bus ist tröst­lich und schmerz­lich auf dem Weg der Selbst­er­kennt­nis vor­an­ge­kom­men und zum Glau­ben an Jesus Chris­tus, den Gekreu­zig­ten und Auf­er­stan­de­nen, gelangt. Nun tritt er auf mit Pil­ger­man­tel, Pil­ger­stab und Pil­ger­ta­sche und pre­digt Frau­en und Män­nern, Kin­dern und Säug­lin­gen. Er ist auf der Höhe des Lebens. Wie wir alle zu unse­rer Zeit im Leben der per­sön­li­chen Bezie­hun­gen, der Berufs- und Arbeits­welt und der gesell­schaft­li­chen Öffent­lich­keit ste­hen. Dort sind wir beru­fen, durch unser Leben Zeug­nis zu geben von unse­rem Glau­ben. Wie Jako­bus ein Zeu­ge war.

Zuletzt geht Jako­bus zu Boden unter dem Richt­schwert. >Um jene Zeit ließ der König Hero­des eini­ge aus der Gemein­de ver­haf­ten und miss­han­deln. Jako­bus, den Bru­der des Johan­nes, ließ er mit dem Schwert hin­rich­ten< (Apg 12,1f). Man könn­te mei­nen, das ist der abso­lu­te Tief­punkt. Nun gilt es, sich zu erin­nern, dass man sich über das Ziel klar sein soll, bevor man sich auf den Weg macht. Das Ziel ist die Kro­ne, die im Him­mel den erwar­tet, der in sei­nem Leben und Ster­ben der Erde so nahe wie mög­lich gekom­men ist. Dar­um haben wir oben ange­fan­gen und schlie­ßen dort unse­re Betrach­tung ab. Nicht, ohne einen Blick der Lie­be auf die Kir­che St. Jakob gewor­fen zu haben mit dem Burg­hau­ser Wap­pen zur Lin­ken, dem Burg­tor mit drei Tür­men, und einem erdach­ten Wap­pen des HI. Jako­bus zur Rech­ten mit drei Muscheln auf blau­em Grund.

STK 2023 08 02 Kirche Foto: M. Huber

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